Wissenschaft, Kunst und künstlerische Forschung

In den Debatten über Theorie und Methode des „Artistic Research“ bzw. der „künstlerischen Forschung“ wird bereits seit einigen Jahren über das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Kunst diskutiert. Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es zwischen künstlerischen und wissenschaftlichen Erkenntnismethoden, Ordnungssystemen und ihren jeweiligen Strategien der Wissensproduktion? Welches Wissen schafft die Wissenschaft, welches Wissens schafft die Kunst? Wann ist Kunst Forschung? Und auf welche Weise, für welche Fragestellungen und im Rückgriff auf welche Methoden können Kunst und Wissenschaft zusammenwirken und gemeinsam neues Wissen hervorbringen?

Dabei geht es in solchen Debatten auch darum, dichotome Vorstellungen aufzubrechen, in denen die Wissenschaft auf diskursiv-rationale und die Kunst auf sinnlich-ästhetische Erkenntnisformate festgeschrieben wird.

Wissenschaft und Kunst sind unterschiedliche, aber dennoch miteinander in vielerlei Hinsicht verbundene Erkenntnisweisen. Es gab historisch immer schon wissenschaftliche Forschungsweisen, die sich künstlerischer Praktiken bedienten. Umgekehrt greift auch die Kunst immer wieder auf theoretische Reflexionsweisen und wissenschaftliche Diskurse zurück. In einer technologisierten Gegenwart tun sich Wissenschaft und Kunst nicht selten im Namen innovativer Forschung zusammen – wenn zum Beispiel Künstler*innen und Wissenschaftler*innen der der Erforschung von Mensch-Maschine-Beziehungen miteinander kollaborieren.

Aber auch über im klassischen Sinne interdisziplinären Projekte hinaus, in denen „Wissenschaft“ und „Kunst“ letztlich weiterhin in getrennten Zuständigkeitsbereichen verbleiben, spielten und spielen in der Forschung immer auch Praktiken eine Rolle, in den analytisches und ästhetisches Denken und Handeln zusammenfließen.

Nicht immer ist das Verhältnis zwischen Kunst und Wissenschaft dabei harmonisch oder synergetisch. Kunst kann sich durch den ihr eigenen methodischen Ungehorsam“  gegen die Eingemeindung ihrer Erkenntniszugänge in standardisierte epistemische Ordnungen und begrifflich-logische Universum wehren. Sie verfügt oft gerade durch ihren „ästhetischer Eigensinn“ über das Potential, anderes und neues Wissen hervorzubringen. Bereits Nietzsche hat die Kunst von ihrer „Verpflichtung auf Wahrheit oder Moral“ zu befreien versucht, dabei aber auch erkannt, dass nicht nur die Kunst, sondern auch die Wissenschaft „lügt“, es im Unterschied zur Kunst nur nicht zugibt (Konrad Paul Lissmann).

Der Interuniversitäre Forschungsverbund Elfriede Jelinek erprobt das hierarchiefreie Zusammenspiel zwischen wissenschaftlichen und künstlerischen Ansätzen, Verfahrensweisen und Erkenntnisstrategien. Ziel ist es, der Akademisierung der Kunst, wie sie seit einigen Jahren auf dem Vormarsch ist, gezielt Formate der Wissenserzeugung zur Seite zur stellen, in denen sich künstlerische und wissenschaftlichen Reflexionsmodi auf Augenhöhe begegnen können.