Elfriede Jelinek, Wissenschaft und Kunst

Die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst ist im Werk Elfriede Jelineks von Anfang an angelegt: Die Autorin studierte neben Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien auch Klavier und Orgel an der MUK, verfügt also sowohl über eine wissenschaftliche als auch ei-ne künstlerische Ausbildung. Ihre Schreibverfahren nutzen einerseits wissenschaftliche Texte als Quellen für die künst-lerische Produktion, anderseits reflektiert Jelinek mit künst-lerischen Mitteln über theoretische Fragestellungen.

Ihr Werk thematisiert das Bezugs- und Spannungsfeld zwischen Wissenschaft in vielfacher Weise: Jelinek stellt intertextuelle Bezüge zu wissenschaftlichen Texten her oder greift wissenschaftliche Erkenntnisse als Quellen und Impulse für eigene Fragestellungen auf. Wissenschaftler*in-nen finden als Figuren, Stimmen oder Sprechinstanzen in ihre Texte Eingang –  so zu Beispiel im Science-Fiction-Hörspiel Die Bienenkönige (1976), in dem Wissenschaftler ein dysto-pisches System der Geburtenkontrolle etablieren.



In ihren essayistischen Beiträgen denkt Jelinek außerdem explizit über das Spannungsfeld von Wissenschaft und Kunst nach oder kritisiert die Herrschaftsförmigkeit von Wissensordnungen und die patriarchalen Implikationen ihrer historischen Ein- und Ausschlussmechanismen von etablierten Systemen der Wissenschaft.

Darüber hinaus reflektiert die Autorin in spezifischer Weise über theoretische Themenkomplexe, wie sie auch im Mittelpunkt wissenschaftlicher Forschung stehen. So ist das gesamte Werk der Autorin von der systematischen Erforschung des Verhält-nisses von Sexualität, Macht und den gesellschaftspolitischen Bedingungen der Geschlechterungleichheit durchzogen. Sie bringt diese Fragen aber im Gegensatz zur theoretischen Arbeit nicht durch logische Beweisführung zu einem Ergebnis, son-dern setzt sie sie vielmehr im Medium der Literatur in Szene – sie „beforscht“ sie also mit den Mitteln der Kunst.

Und nicht zuletzt ist Jelineks Arbeit seit Jahrzehnten selbst Gegenstand der künstlerischen Auseinandersetzung und Bearbeitung ebenso wie der geistes- und sozialwissenschaftlichen Rezeption. Ihr Werk trägt auf diese Weise ebenso zu künstlerischen wie zu wissenschaftlichen Diskursen der Gegenwart bei.

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